Reiseberichte

Liberté, dignité – Freiheit, Würde PDF
Eindrücke der tunesischen Revolution

Revolution in Tunesien„Es ist eine beunruhigende Situation, die
Konterrevolution schläft nicht“, mit diesen Worten
begrüßt uns der oppositionelle Ökonom Abdeljelil Bedoui. Dennoch zeigt er wie alle anderen, die wir in diesen wenigen Tagen in Tunis treffen, Begeisterung für das Geschehene. Abdallah, unser Taxifahrer, der uns vom Flughafen in die Stadt bringt, zeigt auf das vom Militär bewachte RCDGebäude– das sei nun leer, seit dem man Ben Aliweggejagt habe. Die große Parteizentrale wirkt seltsam verlassen…………

Zurück nach Teboulba PDF

Das Komitee SOS Mittelmeer, das sich 2010 gründete, hat erneut Spenden sammeln können, um diese zu den tunesischen Fischern nach Teboulba zu bringen. Vom 12.-16.10. waren Judith Gleitze und Frank Jugert vor Ort, haben mit den Fischern gesprochen und ihnen diese zweite Spendensumme übergeben. Die Fischer richten über uns die herzlichsten Grüße und Dank an die Unterstützer_innen in Deutschland aus.
Die derzeitige Situation der sieben Fischer Im November 2009 waren die beiden Kapitäne Abdelbasseet Zenzeri und Abdelkarim Bayoudh verurteilt worden, Migranten nach Italien geschleppt zu haben. Die fünf Fischer, die ebenfalls an Bord der „Morthada“ und der „Mohamed El Hedi“ waren, wurden freigesprochen. Alle Sieben haben ihre Arbeit während des Prozesses verloren, die beiden Schiffe sind von den Italienern konfisziert worden und liegen seit August 2007 auf Lampedusa fest. Sie sind unbrauchbar geworden. Das größte Problem neben den nicht mehr vorhandenen Schiffen stellte die Konfiszierung der Dokumente dar: von fast allen Fischern waren Ausweise und Arbeitserlaubnisse in Italien einbehalten worden.
Der Fischer Lassaad Gharred hatte seine Fischereilizenz auf einem anderen Schiff und konnte somit nach kurzer Arbeitslosigkeit wieder als Seemann auf einem Fischkutter anheuern. Er arbeitet heute meist mit Fischern aus Mahdia.
Abdelwahed Ben Hayadi arbeitet nur, wenn er einen Job bekommt. Mit ihm sowie mit Hamza Brahim haben wir nicht länger reden können, da beide kein Französisch sprechen.
So wie es scheint haben sie nur ab und zu Arbeit.
Das bestätigt auch Kamel Ben Kalifa, der uns zu sich nach Hause einlädt und uns sein Haus zeigt: die ganze obere Etage ist seit der Rettung im Rohbau, in ihr hausen seine Söhne, Geld für den weiteren Ausbau ist nicht da, er hat nur gelegentlich Arbeit. Nun, so Ben Kalifa, kommen auch noch die schwierigen Wintermonate, in denen gar nicht gearbeitet wird. Somit kommt bis Februar kein Verdienst ins Haus, seine Söhne verdienen auch nur um die 350 – 400 Dinar (175-200 Euro) im Monat und können die Familie davon kaum unterstützen.
Das Komitee SOS Mittelmeer, das sich 2010 gründete,  hat  erneut  Spenden sammeln können,  um diese zu den tunesischen Fischern nach Teboulba zu bringen. Vom 12.-16.10. waren Judith Gleitze und Frank Jugert vor Ort, haben mit den Fischern gesprochen  und  ihnen  diese  zweite Spendensumme übergeben. Die Fischer richten über uns die herzlichsten Grüße und Dank an die Unterstützer_innen in Deutschland aus.

Die Reise nach Teboulba PDF

Vom 10.-18.4.2010 sind wir,  Judith Gleitze, Germana Graceffo und Frank Michael Jugert, von Palermo nach Tunesien gefahren. Ziel war es, die 7 Fischer zu treffen, gegen die mehr als 2 Jahre ein Prozess geführt wurde, weil sie am 8.8.2007 44 Migrant_innen aus Seenot gerettet hatten. Im November 2009 wurden die 5 Fischer freigesprochen, bei den beiden Kapitäne fiel jedoch nur der – wenn auch tragendste – Anklagepunkt „Beihilfe zur  illegalen Einreise“.  Die später hinzugefügten Anklagepunkte Widerstand gegen ein Kriegsschiff  und Widerstand gegen die Staatsgewalt blieb bestehen. Sie wurden in 1. Instanz vor dem Gericht zu Agrigento zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft sowie zu einer Geldstrafe von 440.000 € verurteilt. Am 30.3.2010 legten die italienischen Verteidiger Leonardo Marino und Giacomo La Russa Berufung ein. Die 2. Instanz wird vor  dem Appellationsgericht  Palermo verhandelt. In Berlin hat sich das Komitee „S.O.S. Mittelmeer“ im März 2010 gegründet, um die Fischer in ihrem Kampf für die Gerechtigkeit zu unterstützen.
Menschenretter  gehören  nicht  auf  die Anklagebank. Fischern geht es seines Erachtens nicht so gut, da sie keine Arbeitserlaubnisse mehr haben und sich hoch verschulden mussten nach der Verhaftung und der Rückkehr nach Tunesien. Er erklärt ebenso, dass der tunesische Staat sehr genau jeden Schritt der Fischer überwacht, da Kontakte mit Ausländern genau beobachtet werden. Auch A. erhält nach unserer Abfahrt Besuch von der Polizei, die ihn nach uns befragt.  Am Abend holt uns A. mit dem Auto ab. Wir fahren zu ihm nach Hause, wo uns seine Frau und er  zum Abendessen  einladen.  Sie  ist Wissenschaftlerin und hat schon öfter in Sizilien gearbeitet. Auf unsere Frage hin, ob sie uns nicht einmal besuchen wollen winken beide ab – es ist unmöglich,  ein Visum bei  der  italienischen Botschaft zu bekommen. Nicht mal sie für ihre Arbeit hatte es da leichter. Und wir besteigen einfach ein Schiff und fahren los.

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