Die Reise nach Teboulba

Die Reise nach Teboulba PDF

Vom 10.-18.4.2010 sind wir,  Judith Gleitze, Germana Graceffo und Frank Michael Jugert, von Palermo nach Tunesien gefahren. Ziel war es, die 7 Fischer zu treffen, gegen die mehr als 2 Jahre ein Prozess geführt wurde, weil sie am 8.8.2007 44 Migrant_innen aus Seenot gerettet hatten. Im November 2009 wurden die 5 Fischer freigesprochen, bei den beiden Kapitäne fiel jedoch nur der – wenn auch tragendste – Anklagepunkt „Beihilfe zur  illegalen Einreise“.  Die später hinzugefügten Anklagepunkte Widerstand gegen ein Kriegsschiff  und Widerstand gegen die Staatsgewalt blieb bestehen. Sie wurden in 1. Instanz vor dem Gericht zu Agrigento zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft sowie zu einer Geldstrafe von 440.000 € verurteilt. Am 30.3.2010 legten die italienischen Verteidiger Leonardo Marino und Giacomo La Russa Berufung ein. Die 2. Instanz wird vor  dem Appellationsgericht  Palermo verhandelt. In Berlin hat sich das Komitee „S.O.S. Mittelmeer“ im März 2010 gegründet, um die Fischer in ihrem Kampf für die Gerechtigkeit zu unterstützen.
Menschenretter  gehören  nicht  auf  die Anklagebank. Fischern geht es seines Erachtens nicht so gut, da sie keine Arbeitserlaubnisse mehr haben und sich hoch verschulden mussten nach der Verhaftung und der Rückkehr nach Tunesien. Er erklärt ebenso, dass der tunesische Staat sehr genau jeden Schritt der Fischer überwacht, da Kontakte mit Ausländern genau beobachtet werden. Auch A. erhält nach unserer Abfahrt Besuch von der Polizei, die ihn nach uns befragt.  Am Abend holt uns A. mit dem Auto ab. Wir fahren zu ihm nach Hause, wo uns seine Frau und er  zum Abendessen  einladen.  Sie  ist Wissenschaftlerin und hat schon öfter in Sizilien gearbeitet. Auf unsere Frage hin, ob sie uns nicht einmal besuchen wollen winken beide ab – es ist unmöglich,  ein Visum bei  der  italienischen Botschaft zu bekommen. Nicht mal sie für ihre Arbeit hatte es da leichter. Und wir besteigen einfach ein Schiff und fahren los.

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