SPENDENAUFRUF

„Ich bin der Meinung, daß man Menschenleben retten soll, wo man sie retten kann. Und keine Institution, die Leben zu retten vermag, darf auf offener See Selektion betreiben. Das hieße ja, Menschen willkürlich zum Tode zu verurteilen.“ Heinrich Böll , Der Spiegel, 1981

SPENDENAUFRUF

Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren,

SOS Falter

Hier der Aktuelle Falter SOS-Mittelmeer als PDF

der Lübecker Kapitan Stefan Schmidt hat die ihm am 13. Dezember 2009 von der Internationalen Liga für Menschenrechte verliehene Carl-von-Ossietzky-Medaille mit zwei tunesischen Fischern geteilt. Schmidt erhielt die Medaille, weil er mit seiner Besatzung 37 in Seenot geratene Flüchtlinge im Juni 2004 mit der Cap Anamur rettete. Er und der damalige Chef des Komitees Cap Anamur, Elias Bierdel, mussten sich deshalb wegen „bandenmäßiger Beihilfe zur illegalen Einreise in besonders schwerem Fall“ vor italienischen Gerichten verantworten. Nach mehr als fünf Jahren Untersuchung und Verhandlung wurden Schmidt und Bierdel freigesprochen – denn    Seenotrettung ist kein Verbrechen!

Im August 2007 retteten sieben tunesische Fischer auf zwei Schiffen 44 Migranten auf einem Schlauchboot aus Seenot. Einigen Flüchtlingen ging es sehr schlecht. Gegen Abdrängungsmanöver der italienischen Marine brachten die Fischer die Geretteten nach Lampedusa.  Sie wurden dafür von den italienischen Behörden kriminalisiert und ein sizilianisches Gericht verurteilte die Kapitäne Bayoudh und Jenzeri im November 2009 zu einer Haftstrafe von 30 Monaten sowie zu einer Geldstrafe von 440.000 €.  Ihre Boote wurden konfisziert und auf Lampedusa festgelegt, wo sie inzwischen aufgrund der erlittenen Schäden unbrauchbar geworden sind. Die Existenzgrundlagen der Fischer und ihrer Familien wurden damit ruiniert. Die Anwälte der Fischer werden Revision gegen das Urteil einlegen. Mit einem Prozessbeginn in 2. Instanz ist aber nicht vor 2011 zu rechnen.

Wir fordern Freispruch für die Kapitäne, Schadensersatz für die zerstörten Boote, Haftentschädigungen und  finanziellen Ausgleich für die Zeit der aufgezwungenen Erwerbslosigkeit.

Das Komitee SOS Mittelmeer hat sich gegründet, um sich gegen die Kriminalisierung von Seenotrettern auszusprechen und die Fischer in den nächsten 2 Jahren in ihrer Notlage zu unterstützen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die italienische Justiz in absehbarer Zeit Schadensersatz leisten wird. Die Fischer brauchen jedoch dringend finanzielle Hilfe, da sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien derzeit nicht mehr selber bestreiten können.

Wir hoffen, dass dieser demonstrative Akt der Solidarität auch anderen Fischern den Mut verleiht, in Bedrängnis geratenen Flüchtlingen auf hoher See zu helfen.
Die Abschottung der EU und ihre tödlichen Folgen sind nicht hinnehmbare Menschenrechtsverletzungen und verlangen unser Eingreifen und unsere Solidarität.

Unsere Spendenaktion wird inzwischen von vielen unterstützt, u.a. von

Günther Grass (Nobelpreisträger Literatur)

Günther Wallraff (Journalist)

Gabriele Schopenhauer (Stadtpräsidentin Lübeck)

Christian Ströbele (MdB)

Regina Michalik (Mediatorin)

Elias Bierdel (borderline europe)

Kapitän Schmidt (Cap Anamur)

Martin Buchholz (Kabarettist)

Björn Engholm (Ministerpräsident Schleswig Holstein a.D.)

Heiko Kauffmann (pro Asyl)

Dr. Margarete von Galen (Rechtsanwältin)

Prof. Dr. Peter Brandt (Historiker)

Anne Klein (Rechtsanwältin und  Senatorin a.D.)

Hanns Thomä (Ev. Kirche Berlin-Brandenburg)

Kani Alavi (Künstlerinitiative East-side-gallery)

Philippe Besson (Regie Grips Theater Berlin)

Philipp Harpain (Regie Grips Theater Berlin)

Bitte unterstützen auch Sie unsere Hilfsaktion für die tunesischen Fischer !
Für das Komitee „SOS Mittelmeer“:
borderline Europe  –  Internationale Liga für Menschenrechte – Flüchtlingsrat Berlin
email: menschenfischer@bildungswerk-boell.de

Spendenkonto: Internationale Liga für Menschenrechte
Kontonummer: 3317104                Bankleitzahl: 100 205 00
Bank für Sozialwirtschaft                Stichwort: Menschenfischer

Weitere Informationen unter: www.borderline-europe.de und www.sos-mittelmeer.de

Print Friendly