SPENDENAUFRUF
Liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren,
der Lübecker Kapitän Stefan Schmidt hat die ihm am 13. Dezember 2009 von der Internationalen Liga für Menschenrechte verliehene Carl-von-Ossietzky-Medaille mit zwei tunesischen Fischern geteilt. Schmidt erhielt die Medaille, weil er mit seiner Besatzung 37 in Seenot geratene Flüchtlinge im Juni 2004 mit der Cap Anamur rettete. Er und der damalige Chef des Komitees Cap Anamur, Elias Bierdel, mussten sich deshalb wegen „bandenmäßiger Beihilfe zur illegalen Einreise in besonders schwerem Fall“ vor italienischen Gerichten verantworten. Nach mehr als fünf Jahren Untersuchung und Verhandlung wurden Schmidt und Bierdel freigesprochen – denn Seenotrettung ist kein Verbrechen!
Im August 2007 retteten sieben tunesische Fischer auf zwei Schiffen 44 Migranten auf einem Schlauchboot aus Seenot. Einigen Flüchtlingen ging es sehr schlecht. Gegen Abdrängungsmanöver der italienischen Marine brachten die Fischer die Geretteten nach Lampedusa. Sie wurden dafür von den italienischen Behörden kriminalisiert und ein sizilianisches Gericht verurteilte die Kapitäne Bayoudh und Jenzeri im November 2009 zu einer Haftstrafe von 30 Monaten sowie zu einer Geldstrafe von 440.000 €. Ihre Boote wurden konfisziert und auf Lampedusa festgelegt, wo sie inzwischen aufgrund der erlittenen Schäden unbrauchbar geworden sind. Die Existenzgrundlagen der Fischer und ihrer Familien wurden damit ruiniert. Die Anwälte der Fischer werden Revision gegen das Urteil einlegen. Mit einem Prozessbeginn in 2. Instanz ist aber nicht vor 2011 zu rechnen.
Wir fordern Freispruch für die Kapitäne, Schadensersatz für die zerstörten Boote, Haftentschädigungen und finanziellen Ausgleich für die Zeit der aufgezwungenen Erwerbslosigkeit.
Das Komitee SOS Mittelmeer hat sich gegründet, um sich gegen die Kriminalisierung von Seenotrettern auszusprechen und die Fischer in den nächsten 2 Jahren in ihrer Notlage zu unterstützen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die italienische Justiz in absehbarer Zeit Schadensersatz leisten wird. Die Fischer brauchen jedoch dringend finanzielle Hilfe, da sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien derzeit nicht mehr selber bestreiten können.
Wir hoffen, dass dieser demonstrative Akt der Solidarität auch anderen Fischern den
Mut verleiht, in Bedrängnis geratenen Flüchtlingen auf hoher See zu helfen.
Die Abschottung der EU und ihre tödlichen Folgen sind nicht hinnehmbare Menschenrechtsverletzungen und verlangen unser Eingreifen und unsere Solidarität.
„Wo Solidarität kriminalisiert wird, sind wir alle in Gefahr.“ (Madjiguène Cissé).
Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsaktion für die tunesischen Fischer !
Für das Komitee „SOS Mittelmeer“:
borderline Europe - Internationale Liga für Menschenrechte – Flüchtlingsrat Berlin
Spendenkonto: Internationale Liga für Menschenrechte
Kontonummer: 3317104
Bankleitzahl: 100 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Menschenfischer
Mai 5, 2010
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